Mediziner schenken Langensalzaer ein „Zweites Leben“
Erstmals wurde am Hufeland Klinikum in Mühlhausen einem Patienten mit akutem Schlaganfall das verstopfende Blutgerinnsel direkt aus der Gehirnschlagader entfernt.

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Bad Langensalza/Mühlhausen. Wie gut ihm das Schicksal da mitgespielt hat, das kann Klaus Schiller noch immer nicht fassen. „Es ist unglaublich, dass es mir jetzt schon wieder so gut geht“, schüttelt der 63-Jährige den Kopf. Klaus Schiller hat erst vor wenigen Tagen einen schweren Schlaganfall erlitten. Heute fühlt er sich schon wieder gut.

Es ist ein ganz normaler Arbeitstag in der letzten Woche in Bad Langensalza. Nach dem Mittag fühlt sich Klaus Schiller plötzlich unwohl. Dann passiert es. Seine linke Körperhälfte ist taub, er kann nur undeutlich sprechen, ihm ist schwindlig. Die Kollegen reagieren sofort und wählen den Notruf. Der Notarzt bringt den Mann ins nahgelegene Hufeland Klinikum. Hier wird im CT eine Gehirnblutung als Ursache für die Symptome ausgeschlossen. Der Radiologe vermutet hingegen einen Schlaganfall als Auslöser und veranlasst eine Gefäßdarstellung im CT. Damit wird nicht mal eine Stunde nach Eintreten der Symptome das Gerinnsel in der Gehirnschlagader direkt nachgewiesen.

Die Mediziner reagieren prompt und veranlassen die Verlegung ans Hufeland Klinikum in Mühlhausen. Denn hier arbeitet Chefarzt Dr. Ralph Hünerbein, der das Entfernen eines solchen Gerinnsels sehr gut beherrscht. Während Herr Schiller transportiert wird, tauschen sich die Kollegen der beiden Standorte aus. So planen Frau Dr. Christiane Bieback von der Rettungsstelle Bad Langensalza und die zuständige Neurologin Dr. Yvonne Bauer, Leitende Oberärztin in Mühlhausen, die logistischen Details: Intensivstation, Narkose- und Radiologieteam sowie die Kollegen der Notaufnahme wissen bereits bestens Bescheid, als Herr Schiller eintrifft. So wird wertvolle Zeit gespart.

Dr. Yvonne Bauer nimmt den Patienten in Empfang, untersucht ihn und begleitet ihn in die Radiologie. „Er war schwerst betroffen und wurde zunehmend instabiler“, erzählt die Oberärztin. Sofort wird der neurologische Status erhoben, die Überwachung angelegt und die Narkose eingeleitet. Dann erfolgt der Eingriff durch den Radiologen Dr. Ralph Hünerbein, die sogenannte intrakranielle Thrombektomie. „Dabei wird von der Leistenschlagader ein Katheter bis in die Halsschlagader vorgeschoben“, erklärt der Chefarzt der Radiologie. „Durch diesen Führungskatheter werden dann wie bei einem Teleskoprohr weitere kleiner werdende Katheter bis an das Gerinnsel tief im Gehirn heran geführt. Hat der Katheter das Gerinnsel erreicht, wird ein starkes Vakuum angeschlossen. Mit diesem Unterdruck gelingt es, das Gerinnsel abzusaugen“, so der Mediziner.

Auch bei Klaus Schiller funktioniert diese Methode. Zirka zwei Stunden nach Symptombeginn ist die Gehirnstrombahn wieder frei und gut durchblutet. „Schon am Abend des Behandlungstages erwachte Herr Schiller aus der Narkose und konnte alles bewegen, wieder geordnet denken und sprechen“, freut sich Dr. Hünerbein über den Erfolg des Eingriffes. Schon eine Woche nach dem Ereignis und einer ausführlichen kardiologischen Diagnostik, in der die Ursache des Schlaganfalles geklärt werden konnte, verlässt der Patient das Krankenhaus – vollkommen ohne Einschränkungen und noch immer fassungslos, wie gut die Sache geendet hat.

„Ohne die neue Behandlungsmethode, das gut funktionierende Zusammenarbeiten aller Beteiligten und das schnelle Handeln wäre Herr Schiller vermutlich schwerst beeinträchtigt gewesen, wenn nicht sogar verstorben“, macht Oberärztin Dr. Yvonne Bauer deutlich. Es sei neben dem neuen Verfahren, also der intrakraniellen Thrombektomie, vor allem der schnellen Hilfe seitens der Rettungskräfte des DRK und des Notarztes sowie dem medizinischen Personal am Klinik-Standort in Bad Langensalza und nicht zuletzt der Diagnosestellung in Bad Langensalza und Behandlung in Mühlhausen zu verdanken, dass das Leben des Patienten gerettet werden konnte.

Im Übrigen sind jedoch nicht alle Schlaganfallpatienten für dieses neue Behandlungsverfahren geeignet. „Die Zeit zwischen dem Auftreten der Schlaganfallsymptome und dem Beginn der Behandlung sollte nicht länger als vier Stunden, in Ausnahmefällen sechs Stunden, sein. Geeignet sind vor allem Patienten mit einem schweren Schlaganfall, das heißt mit halbseitiger Lähmung, Sprachstörung und Bewusstseinsstörung“, erklärt Dr. Hünerbein. Zur Zeit könne diese recht komplizierte Behandlungsmethode noch nicht zu jedem Zeitpunkt im Hufeland Klinikum durchgeführt werden. Bei Herrn Schiller jedenfalls hat aber alles gepasst.

Gut zu wissen

Ein Schlaganfall kann je nach betroffenem Gehirnareal und Schweregrad ganz unterschiedliche Symptome zur Folge haben: Vom herabhängenden Mundwinkel bis zum schlagartigen Verlust des Sprech- und Sehvermögens, Lähmungen und Taubheitsgefühle, die typischerweise nur eine Körperhälfte betreffen. Aber auch plötzlich einsetzender Schwindel, Gangstörungen oder seltener starke Kopfschmerzen gehören zu den Symptomen eines Schlaganfalls. Entscheidend, um die Folgen zu mindern, ist ein möglichst rascher Behandlungsbeginn. Haben Sie bei sich oder einer anderen Person den Verdacht auf einen Schlaganfall, alarmieren Sie sofort den Rettungsdienst. Ein Schlaganfall kann tödlich sein und jede Minute zählt. Ursache für einen Schlaganfall ist eine Minderversorgung eines Hirnbereichs mit Blut. Die grauen Zellen erhalten nicht mehr ausreichend Sauerstoff und Nährstoffe, sie drohen abzusterben. Dafür gibt es zwei Hauptursachen: Entweder sind Blutgefäße verstopft, zum Beispiel durch ein verschlepptes Blutgerinnsel oder aufgrund einer Gefäßverkalkung, oder der Schlaganfall wird durch eine Blutung im Gehirn verursacht, was jedoch seltener vorkommt. Mehr als 80 Prozent der Schlaganfallpatienten in Deutschland sind über 60 Jahre alt.

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